Der Beruf des Industriemeisters

Der Beruf des Industriemeisters

Industriemeister übernehmen steuernde Leitungsaufgaben in der industriellen Produktion. Sie optimieren den Herstellungsprozess, organisieren Arbeitsabläufe und beschäftigen sich mit der Kostenkalkulation.

Berufsbild des Industriemeisters

Industriemeister sind technische Fachkräfte in industriellen Betrieben und dem produzierenden Gewerbe. Sie nehmen Führungspositionen ein und leiten meist eine eigene Abteilung in der Produktion. Dort steuern, überwachen und sichern sie industrielle Herstellungsprozesse. Dazu gehört das Ermitteln des Betriebsmittelbedarfs, das Einsetzen und Anleiten der Mitarbeiter sowie das Qualitätsmanagement. Als Industriemeister hast Du eine verantwortungsvolle Position und übernimmst verstärkt organisatorische Aufgaben.

Jürgen Exler, Industriemeister Chemie bei BASF, berichtet von seiner Arbeit.

Warum Industriemeister werden?

Der Abschluss des Industriemeisters ist eine Aufstiegsfortbildung, die auf Deine bestehende Berufsausbildung und -erfahrung aufbaut. Die Weiterbildung ermöglicht Dir, komplexe planerische Aufgaben und Tätigkeiten auszuführen. Der Industriemeister ist mit seiner Ausbildung auf die industrielle Produktion und auf große Unternehmen zugeschnitten, wo er meist als Angestellter arbeitet. Im Gegensatz dazu leiten Handwerksmeister häufig einen kleineren Handwerksbetrieb.

Beliebte Anbieter von Industriemeister Lehrgängen

Bei folgenden Instituten kannst Du eine Weiterbildung zum Industriemeister absolvieren:

Aufgaben und Tätigkeiten

Als Fach- und Führungskraft in der Produktion übernimmst Du komplexe planerische Aufgaben. Du organisierst das Personal, erstellst Schichtpläne und bist für die Ausbildung und Weiterbildung zuständig. Als Industriemeister sorgst Du für den reibungslosen Ablauf in der Produktion. Du stellst deshalb sicher, dass alle benötigten Betriebsmittel in ausreichender Menge und Qualität vorhanden sind. Wichtig ist auch die Güte der hergestellten Produkte, die Du mit Methoden des Qualitätsmanagements prüfst.

Welche Fertigkeiten und Kenntnisse brauche ich als Industriemeister?

Von Industriemeistern verlangen Arbeitgeber vor allem Organisationstalent und fachübergreifende Fertigkeiten in Betriebswirtschaft, Kostenkalkulation und Produktionsplanung. Als Vermittler zwischen Unternehmensführung, Entwicklung und Fertigung ist es wichtig, Innovationen mitzugestalten und kommunikativ zu sein. Weil Du als Industriemeister oft Personalverantwortung übernimmst, solltest Du Führungsqualitäten und Sozialkompetenz mitbringen. Zu Deinen Aufgaben gehört es auch, komplexe Maschinen in Betrieb zu nehmen, sie zu warten und zu reparieren. Technisches Wissen und handwerkliches Geschick sind demnach weiterhin von Bedeutung.

An welchen Schnittstellen zu anderen Berufen arbeite ich?

Als Industriemeister nimmst Du eine wichtige vermittelnde Funktion zwischen den einzelnen Abteilungen Deines Betriebes ein. Dadurch arbeitest Du mit unterschiedlichen Berufsgruppen zusammen:

  • Ingenieure
    Ingenieure sind häufig im Management sowie in der Entwicklung beschäftigt. Sie begegnen Dir in Laboren und in der Leitungsebene. Mit Deiner Zusammenarbeit führen Sie neue Technologien und Herstellungsprozesse ein.
  • Techniker
    Geprüfte Techniker und Industriemeister haben eine ähnliche Weiterbildung absolviert. Techniker arbeiten jedoch häufiger in der Entwicklung und in Laboren. Sie helfen Dir, neue Maschinen und Anlagen in Betrieb zu nehmen oder die Produktion zu optimieren.
  • Kaufleute
    Im produzierenden Gewerbe übernehmen Industriekaufleute und Fachwirte den Einkauf sowie die Personalverwaltung. Da Du als Industriemeister auch Aufgaben wie die Kostenkalkulation ausführst und Betriebsmittel bereitstellst, arbeitest Du mit dieser Berufsgruppe häufig zusammen.

Welche Fachrichtungen gibt es?

Die Weiterbildung zum Industriemeister kannst Du in über 50 verschiedenen Fachrichtungen absolvieren. Am gefragtesten sind die Fachrichtungen Metall, Elektrotechnik und Chemie, die viele verschiedene Bildungsinstitute – auch im Fernstudium – anbieten. Für nahezu jede industrielle Branche gibt es zudem noch weitere Fachrichtungen, zum Beispiel den Industriemeister Papier, Kunststoff oder Holz. Diese Fachrichtungen kannst Du häufig nur an Meisterschulen im Präsenzlehrgang besuchen.

Fachrichtungen mit den meisten Absolventen
Quelle: Deutscher Industrie- und Handelskammertag

Die wichtigsten Fachrichtungen im Überblick

  • Metall
    Als Industriemeister Metall kommst Du in Metall verarbeitenden Betrieben sowie bei Maschinenbauern unter. Die Metallindustrie ist eine der größten und wichtigsten Branchen in Deutschland. Sie hat einen hohen Bedarf an Fachkräften.
  • Elektrotechnik
    Die Elektroindustrie bietet Industriemeistern die Möglichkeit, leitende Aufgaben mit Führungspotenzial zu übernehmen. Die Weiterbildung berechtigt Dich als Elektrofachkraft, bestimmte Tätigkeiten nach DIN-Norm an elektrischen Maschinen vorzunehmen.
  • Chemie
    Die komplexe Produktion von Chemikalien erfordert kompetente Fachkräfte. Hier steuerst Du meist einen Produktionsabschnitt und sorgst für die Sicherheit und Qualität der Erzeugnisse.
  • Druck
    In der industriellen Herstellung von Werbemitteln, Zeitungen oder Verpackungen finden Industriemeister Printmedien einen Arbeitsplatz. Dort steuern und optimieren sie häufig die Druckweiterverarbeitung.
  • Glas
    Die Weiterbildung zum Industriemeister Glas ist nicht bundeseinheitlich geregelt und mit verschiedenen Schwerpunkten möglich. Das Arbeitsgebiet erstreckt sich auf die Herstellung von Konsumgütern, medizinischen Geräten oder Fertigungstechnik.
  • Holz
    Die Holzindustrie in Deutschland ist vielfältig. Du kannst beispielsweise in der Sägeindustrie oder bei Möbelherstellern Jobs finden. Die Weiterbildung ist nicht bundeseinheitlich geregelt.
  • Keramik
    Industriell hergestellte Keramik erfordert Fachkräfte, die nicht nur in der Fertigung fit sind, sondern auch organisatorische und leitende Aufgaben übernehmen. Die Weiterbildung zum Industriemeister Keramik bereitet Dich auf diese Tätigkeiten vor.
  • Kraftverkehr
    Kraftverkehrsmeister sind bei Transportunternehmen und im Handel für die Organisation des Fuhrparks zuständig.
  • Kunststoff
    Der Industriemeister Kunststoff und Kautschuk arbeitet als Manager der mittleren Ebene in der Kunststoff- und Kautschukverarbeitung. Ihn erwarten gute Berufsaussichten.
  • Lack
    Nach der Weiterbildung zum Industriemeister Lack bist Du für die Überwachung und Optimierung der Arbeitsabläufe in Lack verarbeitenden Betrieben verantwortlich.
  • Lebensmittel
    In der vielfältigen und beschäftigungsstarken Lebensmittelindustrie übernehmen Industriemeister Lebensmittel planerische Aufgaben.
  • Logistik
    Logistikmeister sind im Transportwesen und in der Lagerwirtschaft tätig, wo sie vor allem organisatorische Leitungsaufgaben übernehmen.
  • Luftfahrttechnik
    Als Industriemeister Luftfahrttechnik überwachst Du die Produktion und Wartung von Flugzeugen und optimierst Arbeitsabläufe.
  • Mechatronik
    Industriemeister Mechatronik haben eine gefragte Doppelqualifikation in den Bereichen Elektrotechnik und Metall.
  • Papier
    Die Weiterbildung ist mit den Schwerpunkten Papiererzeugung sowie Papier- und Kunststoffverarbeitung möglich.
  • Pharmazie
    Der Industriemeister Pharmazie hat eine verantwortungsvolle Aufgabe: Er gewährleistet die Qualität und Sicherheit medizinischer Produkte und Medikamente.
  • Textil
    In der Textilwirtschaft übernimmt der Industriemeister Textil steuernde Tätigkeiten wie Arbeitsorganisation und die Optimierung der Produktion.

Arbeitsorte und Branchen

Industriemeister kommen vor allem in industriellen Betrieben unter. Die Arbeitgeber sind mittelständische Unternehmen oder große Konzerne mit vielen Mitarbeitern. Gerade dort sind Führungskräfte gefragt, die zwischen Leitungsebene und Fertigung als kompetente Vermittler fungieren. Wichtige Arbeitsorte für Industriemeister sind die Branchen Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektrotechnik, Metallverarbeitung sowie die Chemie.

"Seit 2012 bin ich nun bei dem weltweit größten Prüfdienstleister im Customer Service angestellt. Dort fungiere ich als Schnittstelle zwischen Kunden und Prüflabor. Ich koordiniere und plane die jeweiligen Projekte und stelle dabei die Hauptansprechperson für den Kunden dar. Die Schwerpunkte meiner derzeitigen Tätigkeit sind: Projektmanagement, Angebotskalkulation, Reklamationsmanagement, Arbeitsvorbereitung und Technischer Einkauf." Andreas Meixner, Industriemeister Mechatronik
Das ganze Interview kannst Du bei bildungsXperten.net lesen.

Industriemeister sind gefragte Arbeitskräfte. In Jobanzeigen fordern die unterschiedlichsten Betriebe ausdrücklich Industriemeister an, um komplexe Aufgaben zu übernehmen, zum Beispiel als Schichtleiter, Arbeitsvorbereiter oder Produktionsleiter. Diese Firmen suchen beispielsweise immer wieder nach Industriemeistern:

  • Bayer
  • Brose
  • Continental
  • Daimler
  • Deutsche Bahn
  • Liebherr
  • Merck
  • Siemens

In welcher Arbeitsumgebung arbeiten Industriemeister?

Industriemeister arbeiten hauptsächlich in Produktionshallen und Werkstätten. Liegt der Fokus Deiner Tätigkeit auf dem administrativen Bereich, arbeitest Du im Büro und in Besprechungsräumen. In der industriellen Produktion kommen Industriemeister oft mit gefährlichen Gütern und Anlagen in Berührung wie Hitze, elektrische Spannung oder Lärm.

Welche Berufs- und Interessenverbände gibt es?

Gewerkschaften vertreten die Interessen der Arbeitnehmer und verhandeln über Tarifverträge. Dies sind die wichtigsten Gewerkschaften für Industriemeister:

  • IG Metall
  • ver.di
  • VAA – Führungskräfte Chemie

Berufsverbände kümmern sich um die Belange bestimmter Berufsgruppen. Für Industriemeister ist dies der Industriemeisterverband Deutschland (IMV).

"Das Netzwerk des IMV bietet ein breites Spektrum an Wissen für die Berufspraxis, zum Beispiel das Kompetenznetzwerk. Hier stehen Experten für Fragen von Kollegen kostenfrei zur Verfügung, um eine Lösung für betriebliche Probleme zu finden. Der Schwerpunkt des Kompetenzaustausches findet auf regionaler Ebene in den Vereinigungen statt. Hier werden durch Referate, Diskussionsrunden, Betriebsbesichtigungen und so weiter ebenfalls aktuelle Themen und Fragen aufgegriffen und diskutiert." Dietmar Fey, stellvertretender Vorsitzender des Industriemeisterverbands Deutschland e.V.
Das ganze Interview kannst Du bei bildungsXperten.net lesen.

Berufsaussichten, Perspektiven und Aufstiegsmöglichkeiten

"Ich verstehe heute viele Zusammenhänge zwischen technischen und betriebswirtschaftlichen Bereichen besser. Zudem hat sich meine Tätigkeit sehr verändert. Ich bin nun nicht mehr in der Fertigung - also in der Werkstatt - tätig, sondern im Büro und somit nur noch administrativ. Meine Verantwortung ist gestiegen und damit hat sich auch mein Verdienst verbessert." Andreas Meixner, Industriemeister Mechatronik
Das ganze Interview kannst Du bei bildungsXperten.net lesen.

Die Weiterbildung zum Industriemeister wird nicht umsonst "Aufstiegsfortbildung" genannt. Sie ermöglicht Dir, neue Aufgaben zu übernehmen, in eine höhere Position aufzusteigen und mehr Gehalt zu verdienen. Die Spanne des Einkommens ist groß und hängt von der Fachrichtung, Branche und Deiner Position ab. Es liegt im Durchschnitt bei 3.200 € brutto im Monat. Mit dem Industriemeister-Abschluss kannst Du an allen FHs sowie an einigen Unis studieren.

Welche Berufsaussichten habe ich als Industriemeister?

Viele Industriezweige leiden an einem Fachkräftemangel. Mit der Industriemeister-Weiterbildung kannst Du Dich deshalb gut positionieren und Deinen Arbeitsplatz sichern. Außerdem steht Dir der Aufstieg offen, indem Du neue Aufgaben und eine Leitungsposition übernimmst. Sollte in Deinem Betrieb keine Meisterstelle offen sein, kannst Du bei einem Arbeitgeberwechsel mit der neuen Qualifikation punkten.

Welches Gehalt verdiene ich als Industriemeister?

Häufige Industriemeister FachrichtungenDurchschnittsgehalt brutto / monatlich
Chemie3.700 €
Elektrotechnik3.150 €
Kunststoff2.950 €
Metall3.100 €
Pharmazie3.350 €

Das Gehalt des Industriemeisters hängt stark von der Branche und Position ab. Die Chemieindustrie zahlt beispielsweise besonders gut. In der Metallindustrie gibt es hingegen schon sehr viele Industriemeister und zu wenige Meisterstellen, sodass das Gehalt hier in der Regel niedriger ist. Übernimmst Du eine leitende verantwortungsvolle Position, ist ein Einkommen von etwa 5.000 € nicht unüblich. Industriemeister bekommen häufig einen Tariflohn bezahlt. Dieser kann je nach Eingruppierung bei 3.000 € bis 3.300 € liegen. Mehr Details findest Du auf der Infoseite zum Gehalt.

Welche Fortbildungsmöglichkeiten und Perspektiven gibt es?

Nach Deiner Weiterbildung zum Industriemeister bieten sich unterschiedliche Wege an, um Dich weiterzuentwickeln:

  • Technischer Betriebswirt
    Die Aufstiegsfortbildung zum Technischen Betriebswirt gilt als höchste IHK-Weiterbildung im technischen Bereich. Du erhältst vertieftes Wissen in Betriebswirtschaft, Controlling und Marketing.
  • Studium
    Mit dem Abschluss "Industriemeister" ist eine Hochschulzugangsberechtigung verbunden. Ein Hochschulabschluss verspricht häufig ein attraktives Gehalt und hohe Positionen. Infrage kommen Studiengänge der Betriebswirtschaft oder Technik.
  • Selbstständigkeit
    Wenn Du eine eigene Firma gründen willst, kannst Du Dein Wissen über Unternehmensorganisation aus der Weiterbildung nutzen. Um in der Selbstständigkeit erfolgreich zu sein, gibt es einiges zu beachten. Lies dazu die Checkliste "Erfolgreich in die Selbstständigkeit".

Fazit: Gute Gründe für den Industriemeister

Darum lohnt es sich, die Weiterbildung zu absolvieren:

  • Du erhältst neue und gefragte Kompetenzen, Dein Aufgabenfeld verlagert sich in den organisatorischen Bereich.
  • Industriemeister können in die Leitungsebene aufsteigen und übernehmen Führungspositionen.
  • Die Weiterbildung sichert Deinen Arbeitsplatz und ermöglicht ein höheres Gehalt.
  • Der industrielle Wirtschaftssektor ist wachstumsstark und bietet viele Arbeitsplätze.
  • Als Industriemeister steht Dir der Weg zum Studium offen.